„We are outsourcing our brains to the cloud“ (Bill Keller)

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Die New York Times ist wohl die bekannteste und beliebteste Zeitung in den Vereinigten Staaten. Die Onlineausgabe der NYT ist die Erfolgreichste in den ganzen USA. Diese Zeitung hat sogar als Erstes erkannt, welche Bedeutung Social Media in der heutigen Zeit hat und hat dann ganz schnell die Homepage, das heißt die Onlineausgabe, mit Facebook und Twitter  verlinkt.

Und jetzt stellt der Chefredakteur eben dieser Zeitung eine gewagte These auf. Bill Keller behauptet nämlich, dass uns die sozialen Netzwerke dumm machen – er meint sogar, dass der hohe Vernetzungsgrad in den Social Media  nicht dazu führt, dass wir auch in der Realität mehr zusammen wachsen. Keller zufolge bringen uns die sozialen Netzwerke eher weiter auseinander. Er hat dazu sogar eine Diskussion auf Twitter gestartet.

Im Grunde genommen kann jeder feststellen, dass die soziale Netzwerke das Zusammenleben in der Gesellschaft verändern. Und außerdem verändern sie auch das Denken eines jeden einzelnen. Das ist neurowissenschaftlich sogar bewiesen. Demnach bringt jede technische Erfindung, die das menschliche Leben erleichtert, die eben genannten beiden Faktoren mit sich.

Was war es anderes mit der Erfindung des Buchdrucks oder des Taschenrechners? Kein Mensch kommt heute noch auf die Idee ein Buch, zum Beispiel die Bibel, per Hand abzuschreiben und das Kopfrechnen hapert bei so machem.

Es wurde auch ein Experiment durchgeführt, was jeder leicht nachmachen kann. Wenn man über einen längeren Zeitraum hinweg die traditionellen Medien, wie zum Beispiel Bücher, völlig außer Acht lässt und nur digitale Medien nutzt, merkt man schon einen Unterschied. Das lineare Leseverhalten, was man bei Büchern nutzt, wird durch ein hin und her springendes Leseverhalten abgelöst. In den neuen Medien geht es nämlich hauptsächlich darum schnell viele Informationen zu erfassen und dabei von Link zu Link zu springen. Ganz im Gegensatz dazu steht die Informationsaufnahme bei Büchern. Hier geschieht sie eher prozessual, Satz für Satz liest man in einem Buch und kann dabei die Informationen nach und nach in seinem Hirn abspeichern – und genau das verlernen wir, wenn wir auf die traditionellen Medien verzichten.

Wird die Welt trivial? Behandeln wir Themen nicht mehr in die Tiefe? Sind wir wirklich nicht mehr fähig eine vernünftige Konversation zu führen? Sind wir nicht mehr dazu in der Lage Probleme vernünftig zu lösen? Und all das nur weil wir das in den sozialen Netzwerken auch nicht tun?
Bewiesen ist, dass die Konzentrationsspanne unaufhaltsam sinkt – veranlasst durch das Web 2.0 und die sozialen Medien. Gehörtes geht oft zu einem Ohr hinein und dann direkt zum anderen wieder hinaus.
Die neuen Technologien führen anscheinend dazu, dass wir einige sehr humane Fähigkeiten verlieren: Die Fähigkeit zu reflektieren, unser Streben einen Sinn zu finden und echte Empathie. Keller meint, dass wir Komplexitäten nicht mehr erfassen werden können, die Schärfe der Dinge verlieren, und auch Geduld, Weisheit und Intimität nicht mehr lange anhalten wird.
Die wirklich wichtigen Dinge im Leben gehen verloren – laut Keller. Die Frage, die sich stellt: ist es dem wirklich so?

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