Dead Drops – Totgeglaubte leben länger

Man kennt tote Briefkästen eigentlich eher aus Spionagefilmen, die während des Kalten Krieges gespielt haben. Dabei wurden geheime Botschaften in Astlöchern oder unter losen Steinen versteckt, ohne mit dem Empfänger direkten Kontakt aufnehmen zu müssen. Und jetzt sind die toten Briefkästen wieder auferstanden – allerdings ein bisschen zeitgemäßer.
Der Berliner Künstler Aram Bartholl hat mit seinem Projekt „Dead Drops“ ein Kunstprojekt initiiert, dass so manch einem bestimmt noch nicht geläufig ist. Als er im Oktober 2010 in New York bei EYEBEAM aktiv war, kam er auf die Idee einen anonymen Datenaustausch mit Hilfe von USB-Sticks zu ermöglichen.
Den meisten Passanten fällt der kleine Datenträger oftmals gar nicht auf. Nur das Ende – genau der Teil, der benötigt wird, um einen Laptop mit dem USB- Stick zu verbinden – ragt zum Beispiel aus einem Mauerwerk hervor. Dort werden die USB-Sticks unter anderem mit Kunstharz, Knetmasse oder Zement verankert. Wenn dann aber eine Person seinen Computer an einem Gebäude andockt, sind viele doch erst einmal irritiert.

Weltweit sind viele Nachahmer aktiv, das Projekt verbreitet sich sehr schnell. Ungefähr 240 USB-Sticks sind mittlerweile an verschiedensten Orten installiert, vor allem in den USA und Europa. In Deutschland ist der Datentausch in Berlin, Hamburg und Stuttgart möglich.
Wer genau den Stick an der jeweiligen Stelle angebracht hat, weiß man nicht. Auch nicht, wer zuletzt seinen Laptop dort angeschlossen hat. Der Inhalt ist eine Überraschung – es können sowohl Videos, Spiele, Musik, Fotos  als auch Texte sein.

Mittlerweile gibt es sogar schon den ersten drahtlosen Dead Drop, der in Quickborn in der Nähe von Hamburg installiert ist.

Dass durch die Weitergabe von Daten per „Dead Drop“ Urheberrechte verletzt werden könnten, wurde von dem Initiator und seinen Nachahmern bislang nicht bedacht.

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Wirklich jeder kann an diesem Projekt teilnehmen – und wer weiß, vielleicht ist ja auch in Ihrer Nachbarschaft schon ein Dead Drop angebracht. Und wenn nicht – dann schnell einen USB-Stick anbringen und Daten tauschen.

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