Den Bürger an Großprojekten beteiligen!

Vor zwei Jahren wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache „Wutbürger“ zum Wort des Jahres. Dieses Wort stehe für die Empörung in der Bevölkerung, „dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden“. Exemplarisch dafür ist Stuttgart 21, aber auch die alljährlich stattfindenden Demonstrationen am Rande der Castor-Transporte zeigen diese Aufruhr innerhalb der Gesellschaft.

Franz Walter, Demokratieforscher und Redakteur beim SPIEGEL Online, betont die andauernde und ebenfalls zukünftige Bedeutung der Wutbürger: „Engagierte Bürger werden in den nächsten Jahren ein bleibendes Sozialphänomen darstellen. Denn sie sind protesterfahren, sind hoch qualifiziert und kompetent. Sie (…) haben mittlerweile als „junge Alte“ reichlich Zeit -und sie vertreten handfeste, eigene Interessen. Eben das verleiht diesen Bewegungen ihre Schlagkraft.“

Aus diesen Annahmen ergibt sich zusätzlich die Frage, ob es den Protestierenden um Eigennutz und Verhinderung persönlicher Nachteile oder um die Verbesserung der Bürgerbeteiligung und Kritik an der deutschen Demokratie geht.

Fest steht jedoch, dass engagierte Bürger eine hohe Bedeutung für unternehmerische Großprojekte jeder Art haben. Denn: „Wutbürger“ stammen häufig aus der Mitte der Wohlstandsgesellschaft, sodass ihre Position mit der generellen öffentlichen Meinung gleichgesetzt wird. So wird der Druck nicht nur auf die Politik größer, sondern auch auf Unternehmen, die Projekte geplant haben – Handlungsspielräume werden eingegrenzt.

Diese Projekte werden oftmals in der Öffentlichkeit diskutiert. Jedoch sind die Diskussionen häufig nicht von Sachargumenten, sondern von Emotionen bestimmt. So sind einzelne Positionen nicht eindeutig Parteien oder Interessengruppen zuzuordnen. Auch ist es an dieser Stelle möglich, dass unternehmerisches Handeln im Kontrast zum Handeln des mündigen Bürgers steht.

Doch was kann man als Unternehmen mit Hilfe einer Agentur in einer solchen Zwickmühle tun?

Zunächst einmal sollte man sein Bewusstsein schärfen, dass ein solches Projekt nur gemeinsam mit allen Akteuren funktionieren kann. Bürger als Stakeholder (Anspruchsgruppe) sollten angesprochen werden. Das heißt: Den Dialog frühzeitig fördern und dauerhaft gesprächsbereit bleiben. Mit Anwohnern, Politik, NGOs und „allgemeiner Öffentlichkeit“ kann auf verschiedenste Weise kommuniziert werden, um ihnen so Ängste und Sorgen zu nehmen. Dieses erweitert den unternehmerischen Handlungsspielraum.
Auch in emotionalen Debatten kann man anschließend sachliche Argumente als „Gegengewicht“ liefern. Die Notwendigkeit und Sinn der Projekte sollten durch das Unternehmen  erläutert werden, wobei zum Beispiel die Moderation sowie Mediation durch unabhängige Dritte eine Lösung sein kann. Dabei sollte man einfach, verständlich und „auf Augenhöhe“ kommunizieren, was wunderbar in den sozialen Medien funktionieren kann.

Zu guter Letzt sollte man als Unternehmen zusätzlich immer offen bleiben für Kompromisse sowie innovative Lösungen und Partnerschaften.

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