Ethik in der Kommunikation

Ethik in der KommunikationGenau eine Woche ist es mittlerweile her, dass in Berlin diskutiert wurde. Nein, dieses Mal geht es nicht um die Streitereien der Abgeordneten im Bundestag, sondern um die Diskussion bezogen auf den deutschen Kommunikationskodex. Bislang gab es keinen spezifischen Kodex für die Kommunikationstätigkeiten innerhalb der Bundesrepublik – der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) wollte dieses nun ändern. Die internationalen Richtlinien, wie der Code d’Athènes oder der Code de Lisbonne, sind jedem geläufig. Ebenfalls existieren schon lange die Sieben Selbstverpflichtungen der Deutschen Public Relations Gesellschaft. Doch sind all diese von vielen anderen Verbänden entwickelt worden. Eine einheitliche Richtlinie von allen deutschsprachigen PR-Verbänden existiert bislang noch nicht.

Doch wozu brauchen wir in der PR-Branche eine solche Selbstverpflichtung überhaupt? Bürgen wir uns damit nicht mehr Schranken innerhalb der Arbeit auf, als es uns Mehrwerte schafft?

Allgemein ist es doch so, dass die Gesellschaft ohne Werte und Normen gar nicht intakt sein kann. Hätten wir keine Moralvorstellungen, würden Missverständnisse zur Tagesordnung werden und Jeder würde das tun, wonach ihm gerade ist. Egal mit welchen Konsequenzen sein Handeln belastet sein wird. Kinder lernen es im Laufe ihrer Sozialisation, welche kulturellen Moralvorstellungen in Deutschland vorherrschen.

Wenn in der PR auch jeder tun und lassen würde, wonach ihm gerade ist, würde dieses fatale Folgen haben. Denn nach wie vor kämpft die PR damit, als richtige Profession anerkannt zu werden. Die Vielfältigkeit der Tätigkeiten innerhalb der Branche ist ein Nachteil, wenn es darum geht, eine Einheitlichkeit des Handelns zu erbringen. Jeder kann ja schließlich kommunizieren. Oder wie Watzlawick einst so schön sagte: Man kann gar nicht nicht kommunizieren.

Woher sollen die PR-Fachleute lernen, was ein Kind während seiner Erziehung mit auf den Weg bekommt? Kann man ohne dieses Wissen, ohne ethische Richtlinien, überhaupt verantwortungsvoll in seinem Beruf als PR-Berater, PR-Manager oder ähnlichem handeln? Woher weiß man denn, was gut oder schlecht ist? Natürlich kann jeder seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, doch inwieweit reicht dieser aus?

Natürlich reicht unser Verstand aus, um die – salopp gesagt – einfachen ethischen Fragen zu beantworten. Doch wenn beispielsweise ein Agenturmitarbeiter im Zwiespalt zwischen dem Interesse des Auftraggebers und der Moralvorstellung der Öffentlichkeit steht – was dann? Soll er ausschließlich auf die Wünsche des Kunden eingehen oder vielleicht doch lieber ethisch korrekt handeln? An dieser Stelle können Kodizes, Selbstverpflichtungen und Co. eine Argumentationsgrundlage sein, um diesem Agenturmitarbeiter in seiner Entscheidung zu helfen. Denn die Selbstverpflichtungen und Kodizes ermöglichen verantwortbares kommunikatives Handeln, zeigen die Grenzen auf, die man nicht überschreiten sollte. Es sei denn, man möchte sich eine öffentliche Rüge und damit ebenfalls verbundene öffentliche Anprangerung des DRPR einhandeln.

Schließen kann man diese Überlegungen mit Jürgen Habermas, der vier Geltungsansprüche der Kommunikation aufstellte. Zwei der wichtigsten sind hierbei laut ihm Wahrheit und Wahrhaftigkeit – sonst kann keine passende Anschlusskommunikation gewährleistet werden. An solche grundlegenden Dinge sollte man sich in der PR-Branche auf jeden Fall halten, auch wenn der Kommunikationskodex noch nicht ganz ausgereift ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.