Gruppendynamik – eine Illusion von Konsens

GruppendenkenJeder von uns stand bestimmt schon einmal mit vielen anderen Personen an einer Haltestelle und hat darauf gewartet, dass der Bus kommt. Keiner schaut den anderen so richtig an, Blickkontakte werden vermieden – man steht dort isoliert von seinen Mitmenschen. Doch wenn der Bus einmal nicht kommt, fängt man an mit den anderen Wartenden zu reden und nach einer Lösung für das Problem zu suchen: Durch das unvorhersehbare Ereignis ist das soziale Aggregat zu einer sozialen Gruppe geworden.
In alltäglichen Situationen gehören wir verschiedenen sozialen Gruppen an. Zum Beispiel in der Firma, wo wir in verschiedensten Projektgruppen miteinander arbeiten oder auch nach Feierabend, wenn wir innerhalb des Freundeskreises als Gruppe ausgehen.
Oftmals gehören wir sogar mehreren Gruppen gleichzeitig an – manchen mehr und manchen weniger. Denn durch Gruppen können unsere Bedürfnisse, wie zum Beispiel Statuszuwachs oder sozialer Vergleich, befriedigt werden.
Die Gefahr bei einer solchen Gruppenbildung ist allerdings, dass das so genannte Group Think entsteht. Nehmen wir einmal an, dass in einer Firma eine Projektgruppe gebildet wurde, die eng zusammenarbeiten muss, da eine wichtige Entscheidung ansteht. Keiner in der Gruppe möchte der Entscheidung im Wege stehen, sodass negative Kommentare zum Thema oftmals durch Selbstzensur unterdrückt werden. Es herrscht also eine Illusion von Konsens, da nicht alle innerlich mit der Gruppendynamik einverstanden sind. Teilweise wollen Gruppenmitglieder dem Leiter besonders gefallen und stimmen seiner Meinung grundsätzlich zu, sodass sie zu „Mindguards“ werden.
Das Problem bei einer solchen Projektgruppe ist nun, dass durch die genannten Aspekte Diskussionen eingeschränkt werden und nur der Kurs der Mehrheit gefahren wird. Nicht alle Aspekte, die in dem Moment für die Projektarbeit wichtig sind, werden beachtet – nicht alle sprechen aus, was sie denken, um nicht als „Buhmann“ da zu stehen.

Wie kann Group Think verhindert werden?

Um eine Perspektivenvielfalt zu ermöglichen, sollte man die Gruppe in kleinere Einheiten aufteilen und alle Kleingruppen sollten die gleichen Informationen erhalten, die für die Projektarbeit nötig sind. Wenn alle zusammen in einem Meeting sitzen und eine Lösung für ein Problem suchen, ist es sinnvoll, wenn zunächst einmal alle Teilnehmer ihre Ideen anonym aufschreiben. So können Selbstzensuren vermieden werden. Des Weiteren ist es gut, wenn der Gruppenleiter die Moderation übernimmt, sodass keine Mindguards entstehen können. Auch Rollenspiele können durchgeführt werden, da es so einfacher fällt, Kritik zu üben.

Eine Frage bleibt allerdings: In wie weit entsteht Group Think eigentlich in virtuellen Gruppen, da dort keine direkte Face-to-Face Interaktion stattfindet?

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