Heute schon Ihre Willenskraft trainiert?

Willen trainierenIn unserem KONZEPT 4-Blog stellen wir Ihnen ja bekanntlich viele unterschiedliche Themen vor. Berufsbedingt meist Marketingthemen. Dabei übersieht man gern, wie wichtig hierbei Psychologie ist. Bei einer unserer letzten Surftouren in dem Umfeld sind wir über ein interessantes Thema gestolpert, welches für jeden von uns hilfreich ist. Schließlich kann ein starker Wille ja sowohl im Geschäfts- als auch im Privatleben nicht schaden, oder?

David Blaine bezeichnet sich selbst als Ausdauer-Künstler. Der 38-Jährige sperrte sich für sieben Tage in eine Kunststoff-Truhe ohne Nahrung und nur wenig Wasser. Blaine ist fest davon überzeugt, dass sein Willenskraft-Training es ihm ermöglicht, solche Kunststücke durchführen zu können. „Verdrahten sie die kleinen Areale in ihrem Gehirn, erreichen sie sie und es wird ihnen helfen, die großen Dinge zu leisten, die sie sonst nicht leisten könnten,“ sagte er Roy Baumeister,  Psychologe an der Florida State University, dessen Buch „Willenskraft“ demnächst erscheint. „Es ist nicht nur das Üben einer bestimmten Sache.“

In zahlreichen Studien der vergangenen 25 Jahre fand  Baumeister heraus, dass schon das simple Zähneputzen mit der anderen Hand, als die die man normalerweise verwenden würde, die Selbstkontrolle vergrößern kann. In einem Telefon-Interview verglich er die Willenskraft mit einem Muskel: „Wenn du ihn trainierst, wird er stärker. Da ist nichts Magisches dabei.“

Unsere Willenskraft wird beispielweise durch Hunger und Müdigkeit geschwächt. Neurowissenschaftler versuchen zu verstehen, wie das Vernunft-Zentrum im Gehirn – der präfrontale Kortex – den Widerspruch zwischen Wollen und Brauchen regelt und uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch warum ist die Willenskraft so wichtig? Sie ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Leben.

Viele kleinere Studien der letzten Jahre zeigten, dass ein hohes Maß an Selbstkontrolle zu einer besseren Gesundheit, stabilen Beziehungen und finanziellem Wohlstand führt. Nun beweist eine im Januar veröffentlichte, bahnbrechende Studie, dafür den stärksten Beweis. Forscher der Duke University werteten Daten von mehr als 1.000 jungen neuseeländischen Erwachsenen aus, die sie über drei Jahrzehnte sammelten. Sie stellten fest, dass diejenigen, die schon mit drei Jahren ein hohes Level der Selbstkontrolle aufwiesen, im Erwachsenenalter eher gesund und finanziell erfolgreich sind, als diejenigen, die damals schlecht abschnitten.

Sozioökonomische Klassenunterschiede in der Kindheit sowie der Intelligenzquotient wurden berücksichtigt. 11 Prozent aus der Gruppe, die als Kinder das höchste Maß an Selbstkontrolle aufwiesen, hatten später gesundheitliche Probleme wie Adipositas, Zahnfleischerkrankungen oder sexuell übertragbare Krankheiten. In der anderen Gruppe waren es 27 Prozent. In Bezug auf die Kriminalitätsrate, kamen 13 Prozent aus der ersten Gruppe und 43 Prozent der anderen mit ihr in Berührung. Finanziell wenig erfolgreich, also mit einem Jahresgehalt unter 17.000 $, waren nur 10 Prozent der obersten Gruppe im Vergleich zu 32 Prozent in der untersten. „Unterschiede in der Selbstkontrolle im Kindesalter können genauso als Maßstab für ein späteres finanzielles Auskommen herangezogen werden, wie beispielsweise eine geringe Intelligenz oder die Herkunft aus einer niedrigen sozialen Schicht.“

Sie wollen einen Marathon laufen, endlich abnehmen oder die Dissertation abschließen? Laut Baumeister stärken schon tägliche kleine Aufgaben wie die Kontrolle ihrer Körperhaltung oder Launen, den Willen. Noch besser sind Aktivitäten wie Sport, Meditation oder das Erlernen einer neuen Sprache. Wer hier erfolgreich ist, ist dies tendenziell auch in anderen Bereichen des Lebens. Neurowissenschaftler glauben, dass diese Übungen die Verknüpfung der Nervenbahnen im präfrontalen Kortex verstärken, die für die Entscheidung verantwortlich sind, „Ja“ zu unseren Zielen zu sagen und „Nein“ zur Verführung.

Für den starken Willen braucht das Gehirn viel Energie in Form von Glukose. Bei Hunger, Stress oder Schlafmangel fehlt diese häufig, da der Körper nicht in der Lage ist, diese zu verarbeiten. „All diese Dinge führen zu leichten Störungen im präfrontalen Kortex,“ sagte Kelly McGonigal, Psychologe an der Stanford University und Autor des bald erscheinenden Buches „The Willpower Instinct”. „Es ist, als ob Sie Hirnschäden in Bereichen haben, die Sie brauchen, um sich selbst zu kontrollieren. Und das macht aus ihnen die schlimmste Version von ihrem Selbst,“ – jemand der Kinder ärgert, Abgabefristen versäumt oder das Eis im Kühlschrank vernichtet.
Studien mit bildgebenden Verfahren des Gehirns zeigen, dass jeweils verschiedene Regionen des präfrontalen Kortex für verschiedene Bereiche des Willens zuständig sind. Die linke Seite bringt Bewegung in die To-do-Liste, während die rechte Seite dabei hilft, Versuchungen zu widerstehen. Eine kleinere Gehirnregion in der Mitte – der sogenannte ventromediale präfrontale Kortex – hilft, die unzähligen Entscheidungen, die Minute für Minute durch unseren Kopf geistern, abzuwägen: Soll ich meine Facebook-Seite checken oder die Aufgabe erledigen? Will ich einen Keks oder einen Apfel? Wie reagiere ich auf das Weinen meines Kindes?

Menschen mit viel Selbstbeherrschung, treffen oft bessere Entscheidungen, da sie langfristiger planen und nicht nur die sofortige Befriedigung ihrer Bedürfnisse im Blick haben. Hierfür ist möglicherweise eine bessere Abstimmung der Hirnregionen verantwortlich, die für Willenskraft zuständig sind. Forscher am California Institute of Technology führten MRT-Scans an 37 Teilnehmern durch, die gerade Diät hielten. In der 2009 in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie zeigten sie, dass Menschen die Diät hielten und ein hohes Maß an Selbstkontrolle hatten, bei der Auswahl ihrer Nahrung sowohl die Gesundheit und den Geschmack berücksichtigten. Hierfür nutzten sie sowohl ihren ventromedialen präfrontalen Kortex als auch den linken präfrontalen Kortex. Abnehmwillige mit geringer Selbstkontrolle dachten nur an den Geschmack des Essens. Hier war die Aktivität im ventromedialen präfrontalen Kortex höher als in den anderen Regionen.

„Wir versuchen noch die grundlegenden Mechanismen herauszufinden, mit denen der präfrontale Kortex die Willenskraft steuert,“ sagte Earl Miller, Professor für Neurowissenschaften am Massachusetts Institute of Technology, der die neuronalen Schaltkreise der Selbstkontrolle erforscht. „Wir wissen, dass jemand mit Schäden am präfrontalen Kortex aufgrund eines Schlaganfalls oder einer anderen Hirnverletzung sich oft in einer rücksichtslosen Weise verhält ohne an die Konsequenzen zu denken.“ „Aber“, fügt er hinzu, „Forscher wissen immer noch nicht genau, wie das Gehirn angemessenes Verhalten wie die Stummschaltung eines Handy lernt.“

Klar ist, dass Willenskraft genau wie ein Muskel aufgebraucht werden kann, wenn er überstrapaziert wird. „Was ich gelernt habe ist, dass alles aus dem gleichen Topf kommt,“ so Baumeister. „Es gibt Zeiten, da muss man sich eine Pause gönnen und erkennen, dass man nach einem anstrengenden Tag nicht viel Willenskraft übrig hat, wenn man nach Hause kommt.“ Baumeister empfiehlt, zwischendurch einfachere Arbeiten zu erledigen und sich Auszeiten zu gönnen, um demWillenskraft-Muskel Gelegenheit zum Wachsen zu geben. In arbeitsintensiven Phasen schlägt er die Einnahme einer kleinen Menge Zucker vor. Dies versorgt das Gehirn mit zusätzlicher Glukose und erleichtert es ihm so, die Kontrolle zu behalten.

Doch sollte man nicht zu streng mit sich selbst sein, denn dies kann sogar kontraproduktiv sein, sagte er. Verzeihen sie sich einen Fehltritt, sind sie langfristig erfolgreicher: „Wenn wir mehr Willenskraft haben wollen, müssen wir lernen, einen Freund und Mentor, um uns zu haben,“ sagte McGonigal, „und nicht Selbstkontrolle gleichsetzen mit Selbstkritik.“

In diesem Sinne: Trainieren Sie Ihren Willen schön, aber unter den richtigen Bedingungen!

Quelle: bostonglobe.com

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