Ist Facebook die neue Einstiegsdroge?

Sie sind froh, dass Sie sich das Rauchen abgewöhnt und Ihren Alkoholkonsum im Griff haben?  Ihre neue Leidenschaft ist Ihr Smartphone? Sie sind nicht suchtgefährdet, denken Sie? Und was ist mit Ihrem Konsum von Internet, Facebook, Twitter und Co.? Können Sie sich noch vorstellen, einen Tag oder eine Woche das Smartphone oder den Tablet-PC auszulassen und sich ganz und gar Ihrer Umwelt zu widmen?

Wenn es nach einer aktuellen Umfrage der Verbraucherforscher von Intersperience in Großbritannien geht, machen im digitalen Zeitalter IT-basierte Technologien genauso abhängig wie Zigaretten und alkoholische Getränke. 53 Prozent der Briten fühlen sich niedergeschlagen ohne Internetanschluss, 40 Prozent kommen sich sofort einsam vor, wenn sie nicht täglich ihre E-Mail- oder Social Media-Accounts abrufen können. Für viele ist das inzwischen ein „Albtraum“. Ein Drittel der Tablet-PC-Nutzer nimmt das Gerät sogar mit auf die Toilette!

Doch warum ist das so?

Schließlich kommunizieren wir auf Facebook mit guten Freunden oder Arbeitskollegen und könnten uns stattdessen auch einfach mit ihnen zum Grillen treffen oder telefonieren. Früher telefonierte man mit der Freundin und verabredete sich mit ihr im Café. Einen anderen Freund traf man einen Tag später beim Sport und erzählte sich dort den neuesten Klatsch und Tratsch.

Warum reicht uns das heute nicht mehr? Sind wir süchtig nach Aufmerksamkeit und Beliebtheit? Geht es nur noch darum, besonders viele Follower oder Fans zu bekommen? Es ist wahrscheinlich das gleiche Phänomen wie in der Schule im Sportunterricht, wo wir auf keinen Fall als letzter in die Volleyballmannschaft gewählt werden wollten. Oder steckt mehr dahinter?

Die Customer Insight Group der New York Times hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Latitude Research eine Umfrage gestartet und 2500 Personen befragt, die sich aktiv in sozialen Netzwerken tummeln. Auf die Frage „Warum teilst du Informationen?“ antworteten 85 Prozent, sie teilen Informationen, weil die Reaktionen darauf ihnen dabei helfen diese besser zu verstehen, 84 Prozent, weil deren Verbreitung ihnen ein wirkliches Bedürfnis ist sowie 78 Prozent weil es ihnen dabei hilft mit anderen Menschen in Verbindung zu treten bzw. bleiben.

Die Dosis macht das Gift

Wie bei den klassischen Suchtmitteln auch, macht ein Glas Wein nach Feierabend noch keinen Alkoholiker. Ich persönlich habe meinen Facebook-Account erst seit etwa 2 Monaten und war vorher ein vehementer Gegner dieser Technologie. Doch im Juli trieben mich Neugier, berufliches Interesse und ein Social Media-Kurs dazu, mich sehr intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Ich gebe zu, dass ich inzwischen auch mindestens dreimal am Tag nachgucke, ob jemand etwas gepostet hat. Ich kann aber am Wochenende ohne Probleme drei Tage das Notebook auslassen und mit meinen Freunden auf traditionelle Weise kommunizieren. So geht es auch meinen Kollegen von KONZEPT 4, wie eine agenturinterne Umfrage ergab.

Keine Frage, die digitale Revolution hat schon viel Gutes bewirkt, so sind wir doch gerade in diesem Jahr Zeuge des „Arabischen Frühlings“ geworden, der so ohne Social Media und Internet nicht oder später stattgefunden hätte. Heutzutage kommt kein Unternehmen mehr um Social Media herum, die Frage ist nur, wie man es am geschicktesten anstellt. Um keine unwiderruflichen Fehler zu begehen, sollte man ein klares Konzept haben und firmeneigene Guidelines aufstellen und sich auf die Unterstützung von Profis verlassen. Privat sollte man sich unbedingt mit den Einstellungen zur Privatsphäre bei Facebook beschäftigen, die sich ja seit dem Relaunch verbessert haben.

Trotzdem sollten wir darauf achten, vor lauter virtuellem „Social“ Media, das gute alte Zusammensein mit Freunden in der realen Welt nicht zu vergessen. Vielleicht sollten wir einfach einen Tag in der Woche alle Geräte ausschalten?

Wer einen sehr amüsanten und nicht ganz ernst gemeinten Test machen will, wie süchtig er nach Social Media ist, kann hier klicken.

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