Ist Google+ das verbesserte Facebook?

Social MediaSocial Media Experten prophezeiten dem Netzwerk von Google bei seinem Start am 28. Juni das schnelle Aus. LinkedIn-Chef Jeff Weiner, beispielsweise, vertrat die Ansicht, dass es für Google+ schlicht keinen Platz gäbe. Fürs Berufliche nutze man die eigene Homepage, Facebook für Familie und Freunde sowie Twitter für schnelle Mitteilungen. Er habe am Tag keine Zeit mehr für einen Google+-Account.

Doch bereits vier Wochen später, am 24. Juli, mussten auch die schärfsten Kritiker ihre Meinung ändern: Das neue soziale Netzwerk Google+ ist die am schnellsten wachsende Internetplattform dieser Art. Es hatten sich zu dem Zeitpunkt weltweit schon über 25 Millionen Nutzer registriert, wie die Technologie-Marktforschungsfirma Comscore mitteilte. Deutschland liegt mit gut 920.000 Benutzern auf einem guten Mittelplatz.

Um diese Zahlen zu erreichen brauchte der Pionier MySpace 22 Monate, Twitter 33 Monate und Facebook 37 Monate. Die meisten Nutzer hat Google in den USA, dort sind es laut Comscore 6,4 Millionen. Auf Platz zwei folgt Indien mit 3,6 Millionen, Deutschland belegt Rang fünf mit gut 920.000 Mitgliedern. Facebook ist mit mehr als 750 Millionen Mitgliedern, rund 20 Millionen in Deutschland, der Platzhirsch der sozialen Netzwerke.

Experten meinen, dass der Konkurrent von Zuckerbergs Facebook nur von Internet-Junkies genutzt wird, doch viele Unternehmen wollen einen Firmen-Account gestalten, müssen aber warten, weil Google auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet war.

Was macht nun Google+ zum besseren Facebook?

Gerade das, wofür Google vielfach gescholten wurde, haben die Macher von Google+ verbessert: Die Privatsphäre und den Datenschutz. Wer bei Facebook nicht alle Informationen mit allen teilen will, kann dafür seine Kontakte in Listen einteilen. Denn der Kollege soll ja nicht das Gleiche erfahren wie ein enger Freund. Facebook bietet aber nur die Einteilung in „Alle“, „Freunde von Freunden“, „Nur Freunde“ und „Andere“, was im Alltag unbrauchbar ist. Hier gab es schon mal beleidigte Gesichter, indem man Freundesanfragen ablehnte.

Google+ hat das Problem gut gelöst, wofür es viel Lob gab: Nutzer lassen sich in Kreise einteilen, deren ungewohnt gelungenes Design Macintosh-Urvater Andy Hertzfeld gestaltete. Intuitiv und bequem werden die Kontakte zugeordnet.

Funktionen, die Facebook bietet, finden sich überarbeitet auch beim Konkurrenten, so auch das Konzept des “Streams”, der ständig neue Beiträge anschwemmt: kleine Textmitteilungen, ein Foto oder einen Film, ein Hinweis auf einen Internet-Link oder die Antwort auf die beliebte Frage: Wo bist Du/Was machst Du gerade? Hier ist es jedoch nicht mehr nötig, einen Kontakt zu bestätigen – wie bei Twitter “folgt” man den Personen, die man für interessant hält.

Das bietet Google+ noch:

– Chat-Funktionen, hier kann man gleich mit mehreren Leuten schwatzen. Persönliche Nachrichten sind nicht möglich. Das Versenden individueller Nachrichten geht bei Facebook aus der Oberfläche heraus und ist damit wesentlich einfacher.
– Videochat über Skype ist nach der Installation eines Browser-Plugins möglich
– Bei Terminverwaltung, Suche nach Interessen und Gleichgesinnten oder dem Foto-Upload ist Google+ auf Augenhöhe mit Facebook, wenn nicht besser.

Und wo ist der Haken bei Google+?

Paradoxerweise schafft es Google+ seine Vorteile wieder in Nachteile zu verwandeln: Jeder, der es bislang noch mit Einladung, geschafft hat, sich anzumelden, muss dies unter seinem Klarnamen tun. Google-Accounts von Unternehmen, Medien und Pseudonymen sperrt Google mit dem Hinweis auf den Klarnamenzwang. Manche sind jedoch unter ihrem Pseudonym im Netz bekannter als unter ihren realem Namen.

Dies zog eine Diskussion um Anonymität und Pseudonymität im Netz nach sich. Google selbst hat sich dazu bisher nicht öffentlich geäußert. Im deutschen Telemediengesetz Paragraf 13, Absatz 6, ist allerdings zu lesen: “Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.”

Trotz allem ist das neue Netzwerk im Bereich Datenschutz verbraucherfreundlicher, vor allem nachdem die Datenkralle Facebook mit Aussagen seines Gründers Mark Zuckerberg ‚Privatsphäre war gestern’ und mit der Gesichtserkennung in negative Schlagzeilen geraten ist. Für IDC-Analystin Alys Woodwards ist allerdings klar, dass beide Datenkraken sind: “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen” meint sie in ihrem Blog und erinnert an 2005, als Google Googlemail startete. Es filtert die Mails mit Schlüsselwörtern, um passende Werbung platzieren zu können. Weder Google noch Facebook sollten übereinander lästern, wenn es um Privatsphäre im Netz gehe, so Woodwards.

Fazit ist: Google hat sich von allem das Beste herausgepickt und ist nun eine gelungene Kombination aus Facebook und Twitter.

Quellen: www.online-marketing-experts.de, www.cio.de, www.handelsblatt.com

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