Kurzporträts: Wissen 2.0?

Wenn es darum geht, etwas zu finden oder Wissen abzufragen, führt im Internet nach wie vor kein Weg an den zwei Platzhirschen Google und Wikipedia vorbei. Kaum einer, der nicht die Recherche nach einem Thema auf einer der beiden Seiten beginnt. Was aber, wenn sich auf Wikipedia zwar seitenlange Artikel zu diversen Comic-Helden tummeln, gerade aber der gesuchte Artikel zu einem wissenschaftlichen oder technischen Problem, nicht der sonst ja durchaus hohen Qualität auf Wikipedia genügt? Was, wenn die Fragestellung für Google zu allgemein ist, oder aber der böse Suchmaschinenoptimierer erfolgreich war und die ersten 20 Seiten der Ergebnisse voll mit unnützen Werbeseiten sind?

Während sich im, nennen wir es mal salopp, „Nerd-Bereich“ Dienste wie Stack Overflow bereits als fachbezogene Fragen & Antworten-Portale platziert haben, schicken sich nur zwei Start-ups an, neuen Wind in die Aufbereitung von Wissen zu bringen.

Quora ist ein Portal, dass das bekannte Konzept einer Fragen & Antworten-Seite aufgreift und mittels intelligenter Mechanismen ein gutes Stück voranbringt. Quora glänzt dabei vor allem in den Punkten Integration von (bestehenden) sozialen Netzwerkkomponenten und ausgefuchsten Empfehlungs- und Qualitätsmechanismen. Jeder User bekommt bereits vom Start weg eine auf ihn angepasste Auswahl von relevanten Themen präsentiert. Tools, die man auch aus anderen sozialen Netzwerken kennt, machen es einem zugleich leicht, an der Verbesserung der Antworten auf Fragen teilzunehmen. Sollte sich diese Kombination auf lange Sicht bewähren, würde damit zumindest ein Problem von Wikipedia ausgeräumt: zu wenige Autoren. Jeder kann theoretisch, aber nur wenige schreiben oder ändern tatsächlich Artikel. Für den Nutzer bietet Quora darüber hinaus den Vorteil, dass er anhand von Fragen suchen kann. Während die Qualität der Suchergebnisse bei Google oftmals vom richtig gewählten Suchbegriff abhängt, ist eine Frage meist viel eindeutiger und führt daher eher zum gewünschten Ergebnis.

Einen wiederum anderen Weg schlägt Factual ein. Wie es der Name bereits vermuten lässt, soll es hier um Fakten gehen. Factual zielt damit zwar zu einem Teil auch auf die Wikipedia als Konkurrenten. Im Kern versucht das Portal allerdings die uns umgebende Welt mit all ihren vorhandenen Fakten möglichst exakt darzustellen. Dies können Adressen, Telefonnummern ebenso sein wie eine Liste der aktuellen Kandidaten bei American Idol. Dabei werden Mechanismen aus Wikis, wie z. B. die Möglichkeit bisherige Bearbeitungsschritte einzelner Fakten nachzuvollziehen, geschickt mit Qualitätsicherungsmechanismen sowohl auf Benutzerseite wie auch auf technischer Seite verbunden. Besonders ist dabei, dass man dieses Wissen zwar auch auf der Seite von Factual abrufen kann, die Hauptzielgruppe aber bei anderen Webseiten oder Webanwendungen liegt, welche über eine API die Daten bei Factual abrufen können. Vor allem im mobilen Bereich stehen die Chancen gut, dass auf Factual basierende Apps damit eine ernsthafte Konkurrenz zu Google Maps oder anderen ortsbasierten Anwendungen werden könnten.

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