Rationale Entscheidungsfindung: Eine Idealvorstellung

EntscheidungsfindungJeden Tag stehen wir vor vielen Entscheidungen, die wir fällen müssen: Was ziehe ich heute an? Esse ich lieber ein Brötchen oder Müsli zum Frühstück? Welchen Film schaue ich mir im Fernsehen an?
Wäre es dabei nicht schön, wenn wir immer diejenige Alternative wählen, die für uns den größten Nutzen mit sich bringt? Dazu müssten wir lediglich durchweg rational denken und handeln.
Diese Prämisse setzen sich auch einige BWL-Modelle in Punkto Entscheidungsfindung: Entschlüsse in Unternehmen sind im Grunde genommen nichts anderes als unsere alltäglichen Schwierigkeiten, die bestmögliche Alternative zu wählen. Betriebe möchten dabei nur nicht ihren Nutzen, sondern ihren Gewinn maximieren.

Diese schon genannten Modelle der Entscheidungsfindung setzen also den sogenannten Homo Oeconomicus voraus – eine Vorstellung des typischen Menschen: Man geht hier davon aus, dass ein Mensch immer rational entscheidet. So wählt er immer die Alternative, mit der er seine Ziele am besten erreichen kann. Dabei dient ihm eine vollständige Markttransparenz als Grundlage, da er somit alle notwendigen Informationen für seine Entscheidung bzw. alle Alternativen sofort wahrnimmt. Diese idealtypische Person handelt folglich nach dem ökonomischen Prinzip.

Doch aus der verhaltensökonomischen Perspektive ist die Annahme eines Homo Oeconomicus realitätsfern, da man Menschen nicht nach einer mechanistischen, standardisierten Methode behandeln kann. Wir Menschen handeln eher beschränkt rational: Können Sie zum Beispiel genau erklären, wieso Sie heute diesen Pulli anhaben und keinen anderen? Haben Sie genau vorher abgewogen, wieso Sie lieber das Brötchen statt dem Müsli gegessen haben?
Unseren Entscheidungen, wie auch Entscheidungen in Unternehmen, liegt immer ein ungenaues, unvollständiges, unsicheres, subjektives Umweltbild zugrunde.  Oft handeln und entscheiden wir widersprüchlich, da wir nur beschränkt Informationen aufnehmen und verarbeiten können. Psychische und soziale Faktoren spielen also in unsere Entscheidungsfindung ein, sodass auch die Konsequenzen unserer Entschlüsse nicht immer vorhersehbar sind.

Wenn wir das wiederum auf Unternehmen beziehen, sieht es hier nicht anders aus: Entscheider bringen ihre individuellen Präferenzen, Ziele und Einstellungen mit in die Entschlussfassung ein. Die Persönlichkeit des Entscheiders, seine Rolle im Unternehmen und seine Umwelt beeinflussen die Entscheidungsfindung außerdem. So werden manchmal Handlungsalternativen genutzt, obwohl sie oftmals nicht die effizientesten und effektivsten sind.

Dieses können wir allerdings nicht beeinflussen, da wir durch unsere begrenzten kognitiven Fähigkeiten nur eine begrenzte Auswahl an Alternativen haben. Wir können gar nicht alle Dinge unserer Umwelt wahrnehmen, da wir nur die für uns relevanten Reize herausfiltern, clustern und Kategorien bilden.

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