Wem gehören meine Tweets?

Dave Winer ist sicherlich den wenigsten Menschen ein Begriff. Allerhöchstens die etwas „geekigeren“ Mitmenschen dürften den Namen schon mal gehört haben und können mit ihm etwas assoziieren. Dave Winer ist Entwickler und war maßgeblich an der Schaffung des RSS-Standards beteiligt. Darüber hinaus hat er durch seine Mitarbeit an verschiedenen weiteren Standards Trends wie Bloggen und Podcasting vorangetrieben, wie außer ihm wohl kaum jemand.

Was hat dieser Exkurs in die Geek-Historie nun mit dem Titel dieses Posts zu tun? Winer arbeitet aktuell an einem neuen Projekt namens My.ReallySimple.org. Zu sehen gibt es leider noch nichts, es gibt auch noch keine tollen, neuen Funktionen, welche schon auf „das nächste große Ding“ hindeuten. Aber: Winers Ansatz und seine Ideen, warum es eine solche Technologie braucht, führen uns zum Titel dieses Artikels.

Kurz gesagt, wir alle, die wir uns im Social Web bewegen, stellen täglich Abermillionen von Inhalten in die verschiedensten Netzwerke ein. Angefangen beim kurzen Statusupdate oder Kommentar bei Facebook über den Upload des letzten Urlaubsvideos bei Youtube bis hin zum im Titel genannten Tweet bei Twitter. Aber wem gehören diese Inhalte? Laut den AGB von Twitter gehören meine Tweets mir. Aber außer über regelmäßige Backups per Hand habe ich nur über Twitter Zugriff auf diese. Gleiches gilt für Facebook. Und wenn beide die Pforten schließen? Oder sich so verändern, dass ich dort nicht mehr Mitglied sein möchte?

Hier setzt Winer an, sein Protokoll (wichtig: es ist eine Technologie, seine Seite ist nur ein Beispiel für die Implementierung) soll es ermöglichen, dass die Inhalte von den Diensten losgelöst werden, dass wir, als Urheber, die Kontrolle über unseren Output behalten. Auch wenn die Details im Moment noch schwammig sind, die Idee dahinter hat weitreichende Konsequenzen. Das Geschäftsmodell der meisten Social-Dienste basiert nämlich eben grade darauf, dass Sie sich die Inhalte der User mehr oder weniger zu eigen machen.

Als Youtube verkauft wurde, kaufte Google für 1,5 Mrd. $ nicht nur eine Seite und die enthaltene Technologie, sondern auch Millionen von nutzergenerierten Videos. Jetzt mögen einige sagen, dafür, dass ich diesen Dienst kostenlos nutzen kann, muss ich eben auch etwas geben, in diesem Fall meine Daten/Inhalte, oder eben hier und da meine Aufmerksamkeit für etwas Werbung. Aber genau deshalb ist dieses neue Protokoll für die Zukunft so spannend. Wie würde Twitter reagieren, wenn ich meine Tweets jederzeit und völlig problemlos komplett mitnehmen kann und beim neuen Twitterkonkurrenten einstellen könnte? Bis jetzt ist das alles noch in Entwicklung und wenig spruchreif, aber wenn ich an die tiefgreifenden Veränderungen vom Web zum Web 2.0 denke, die zu einem großen Teil durch solche neue Technologien angestoßen wurden, könnte hier dann doch ein „neues großes Ding“ am Horizont entstehen.

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