Wer spricht da? Werbung vom Fenster direkt ins Gehirn

Deutsche Bahn

Foto: © Petair – Fotolia.com

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen langen Arbeitstag hinter sich. Sie sind müde, die Zugfahrt nach Hause zieht sich scheinbar ewig hin. Sie geben dem Drang nach, ein paar Minuten die Augen zu schließen, lehnen sich an die Scheibe – und hören plötzlich eine Stimme in Ihrem Kopf: „Langweilen Sie sich? Holen Sie sich Sky Go für Ihr Mobiltelefon.“

Ein kurzer Blick in die Gesichter Ihrer Mitreisenden verrät Ihnen: nur Sie hören diese Stimme, die Ihnen das mobile Angebot eines Fernsehsenders schmackhaft machen will. Wenn Sie den Kopf anheben, ist die Stimme verschwunden; lehnen Sie sich erneut an die Scheibe, wird das Angebot des Senders weiter beworben.

Das Szenario klingt wie aus einem Science Fiction-Film, ist aber keine Zukunftsmusik mehr. Die Technik, die hinter dieser ungewöhnlichen Art der Werbung steckt, ist relativ simpel. Eine kleine, am unteren Ende der Scheibe angebrachte Box versetzt diese in hochfrequente Schwingungen.

Lehnt nun ein Fahrgast seinen Kopf ans Fenster, setzen sich die Vibrationen über seine Schädelknochen fort und gelangen so in sein Innenohr. Das Gehirn übersetzt die Schwingungen wieder in Sprache – und schon ist die Werbebotschaft in unserem Kopf angelangt. Die sogenannte Knochenschall-Technik findet u.a. auch in Googles Augmented Reality-Brille Google Glass Anwendung. Dort werden so, zusätzlich zu den visuellen, auch Audio-Informationen übermittelt.

Bei den vibrierenden Zugscheiben handelt es sich bisher nur um einen Prototyp, konkrete Pläne für eine großflächige Umsetzung gibt es noch nicht. Der Testlauf, den der Sender Sky in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur BBDO in München und NRW durchführte, diente lediglich für die Bewerbung beim Kreativ-Wettbewerb „Cannes Lions„. Kreativ und neu ist diese Art der Werbung auf jeden Fall.

Das Feedback zum bei YouTube geposteten Video ist jedoch eher negativ: „Das LETZTE, was ich hören will, wenn ich meinen Kopf gegen eine Scheibe lehne, um mich auszuruhen!! Vielleicht entspannende Musik, aber noch MEHR Werbung – NEIN DANKE!!“ schreibt ein Nutzer. Ein anderer ruft zur Verweigerung auf: „Boykottiert alle, die über dieses Medium werben – und lasst sie wissen, warum“. Ein weiterer fasst seine Meinung kurz und knapp zusammen: „Gruselig, furchtbar, ihr geht zu weit“.

Fest steht, dass Werbung hier einen ganz neuen Weg beschreiten würde. Was halten Sie davon? Finden Sie den Ansatz innovativ oder sind Sie eher skeptisch?

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