Wissenschaftskommunikation: Bitte Verständlich!

Foto: © Coloures-pic - Fotolia.com

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„Warum haben Zebras Streifen?“ – „Wieso können Flugzeuge fliegen?“ Kinder stellen oft solche Fragen, auf die wir ad hoc keine passende Antwort haben. Wir müssen erst einmal nachdenken, um eine Antwort geben zu können, die das Kind auch versteht. Zu kompliziert sollte sie nicht sein – aber auch nichts Wichtiges auslassen.

So wie wir alle vor den Kindern stehen und nach den passenden Worten und Erklärungen suchen, so ergeht es wohl oftmals auch denjenigen unter uns, die in der Wissenschaft tätig sind. Sie möchten ihre Forschungsergebnisse vermitteln, brauchen dafür aber eine Form, die für ein Laien-Publikum verständlich ist und der Öffentlichkeit alles Wichtige vermittelt. Gerade wenn es um die Kommunikation von erlangten Ergebnissen geht, ist das oft alles andere als einfach.

Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation

Oftmals ist die mediale Berichterstattung rund um Wissenschaft, Forschung und Co. gespickt mit Fachbegriffen und  langen komplizierten Erklärungen der Studienergebnisse. Laien haben es dann schwer, sich über wissenschaftliche Themen zu informieren und sich ein Urteil über gesellschaftlich relevante Forschung zu bilden. Doch woran liegt das?

Der Kriminalbiologie Mark Benecke fasst die Problematik zusammen und gibt hilfreiche Tipps:

Was kann man als Wissenschaftler also tun, um die Menschen von seinem Thema zu begeistern und verständlich zu berichten? Eigentlich sind es nur zwei einfache Punkte, die es für eine bessere Wissenschaftskommunikation zu beachten gibt:

1. Holen Sie die Menschen dort ab, wo sie sind.

2. Vermitteln Sie Ihre Inhalte spielerisch.

Die Menschen dort abholen, wo sie sind

Die allermeisten Menschen interessieren sich nicht oder nur wenig für die Theorie, die Empirie oder die Statistik. Sie interessieren sich für Emotionen und Unterhaltung, für Fakten und Wissen, das in einem direkten Zusammenhang zu ihrem alltäglichen Leben steht. Es ist wichtig, sich als Wissenschaftler aus der eigenen Perspektive zu lösen und die des Publikums einzunehmen. Was interessiert die Menschen, die ich vor mir habe? Ist es wirklich ein Gewinn für sie, wenn ich ihnen erklären kann, wie die Volkswirtschaft in all Ihren Details funktioniert – oder ist es interessanter zu verstehen, warum manche Waren immer teurer werden, andere immer billiger? Möchten sie wirklich begreifen, welche chemischen Prozesse ablaufen, wenn bestimmte Stoffe aufeinander treffen – oder ist es nicht viel interessanter zu erfahren, warum dadurch neue Reinigungsmittel effektiver sind als ihre Vorgänger?

Inhalte spielerisch vermitteln

Stellen Sie sich vor, jemand erklärt Ihnen als Physik-Laie ausführlich die physikalische Reaktion, die vonstatten geht, wenn Sie ein Pfefferminzbonbon in die Flasche eines Kohlenstoffdioxid-haltigen Getränkes geben. Vermutlich werden Sie irgendwann Probleme haben, diesen Ausführungen weiter zu folgen, da diese zu abstrakt werden. Stellen Sie sich nun vor, dass sich dieser jemand die Erklärung spart, das Pfefferminzbonbon in eine Flasche des Softdrinks wirft und sich mit Ihnen gemeinsam die mitunter meter-hohe Fontäne ansieht, die diese Handlung nach sich zieht. Welches dieser beiden Szenarien klingt für Sie spannender?

Dabei muss es gar nicht immer so spektakulär sein. Schon einfache Mittel wie Science Slams, interaktive Ausstellungen und die Organisation von Kinderunis sind Beispiele für gelungene Maßnahmen, die Lernen, Erleben und Spaß verbinden und so Wissen in einer Form vermitteln, die für alle verständlich und nah an ihrer Realität ist.

Social Media als Ort, an dem die Zuhörer sind

Es gibt viele Wege, wissenschaftliche Inhalte zu verbreiten. Fachpublikationen und Presseveröffentlichungen sind nur zwei davon. Nehmen Sie doch einmal andere Wege und gehen Sie aktiv auf Ihr Publikum zu – hinein in Facebook, Twitter, Instagram und Co. Gerade die visuelle Form von z.B. Instagram kann sich gut dafür eigenen, wissenschaftliche Inhalte einfach und spielerisch zu veranschaulichen. Probieren Sie es einfach aus – testen Sie Wissenschaftskommunikation 2.0.

Suchen Sie, gerne in Zusammenarbeit mit der Pressestelle Ihrer Universität oder Hochschule, nach einer Sprache, in der sich die auf den ersten Blick komplex erscheinenden Inhalte einfach und ansprechend vermitteln lassen. Versuchen Sie zum Beispiel, Anglizismen zu vermeiden; visualisieren Sie Daten, Fakten und Zahlen durch Grafiken.

Alles in allem mögen die vorangegangenen Anregungen nach einer Reduzierung aufs Minimale klingen, bei der für Sie persönlich wichtige Aspekte nicht so ausführlich behandelt werden, wie es angebracht wäre. Doch die Vorschläge sind ein Ansatz, um auch fachfremde Menschen für Ihr Gebiet zu begeistern und es ihnen nahe zu bringen. Das Geheimnis ist es, einmal die Perspektive zu wechseln und zu sehen, wo Ihr Wissen seinen Platz im Alltag der Menschen finden und diesen schöner, abwechslungsreicher oder vielleicht einfach nur interessanter machen kann. Probieren Sie es aus. Das gilt nicht nur für die Wissenschaftskommunikation, sondern generell für jeden Bereich, in dem Sie als Fachmann/Fachfrau mit einem Publikum aus „Laien“ sprechen. Vielleicht können Sie so den ein oder anderen begeistern  – und zu tiefergehenden Fragen verleiten.

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